Unsere Glocken

„Fest gemauert in der Erden * Steht die Form, aus Lehm gebrannt. * Heute muß die Glocke werden. * Frisch Gesellen, seid zur Hand. * Von der Stirne heiß * Rinnen muß der Schweiß, * Soll das Werk den Meister loben! * Doch der Segen kommt von oben. „

 

Schillers Gedicht „Die Glocke“ wer kennt es nicht ! Doch haben Sie gewußt, daß auf dem Boden der gesamten Gemeinde Aidlingen 18 Glocken in den verschiedenen Glockenstuben und Dachreitern hängen?

Täglich hören wir sie – bewußt oder unbewußt. Dem einen sind sie Ruhestörer, dem anderen vermitteln sie ein Gefühl der Heimat. Dabei ist eine Glocke bereits schon über 500 Jahre alt und eine andere noch keine 30 Jahre. Wir wollen Ihnen alle Glocken und deren Geschichte die sie uns erzählen vorstellen. Auch soll über verloren gegangene Glocken und deren Schicksale berichtet werden:

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen
Lehenweiler                                                     . Dachreiter des alten Schulhauses
Alte Schule in Lehenweiler

Alte Schule in Lehenweiler

 

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen
Deufringen                   .                     St. Veit Kirche, ev. Ton: h ‚   320 kg Durchmesser: 0,829 m 1950 gegossen von der Fa. Gebr. Bachert in Kochendorf Taufglocke                       .Lasset die Kindlein zu mir kommen
Ton: a ‚  Gewicht: 484 kg Durchmesser: 0,937 m 1950 gegossen von der Fa. Gebr. Bachert in Kochendorf Kreuzglocke                              .Er ist unser Friede
Ton: fis ‚  Gewicht 803 kg Durchmesser: 1,12 m 1950 gegossen von der Fa. Gebr. Bachert in Kochendorf Betglocke                            .Wachet und betet

 

In der Deufringer Chronik von 1938 von Schulheiß Kohler lesen wir auf S. 71/72: „… Die drei auf dem Turm befindlichen Glocken (vor dem 1. Weltkrieg) hatten folgende: Die große Glocke: „Unser lieben Frauen Glocke heiß ich, Peter zur Glocken in Speier goß mich Anno Domini 1493.“ Unten auf der Vorderseite: Maria mit dem Jesuskinde; auf der Rückseite: der heilige Veit im Ölkessel.

Die mittlere Glocke hatte früher folgende Inschrift: „Johann Philipp Magnus in Stuttgart goß mich 1757“. Im Jahr 1852 wurde diese Glocke auf Gemeindekosten umgegossen und hat nun die folgende Inschrift: „Hoffet auf den Herrn allezeit, Psalm 62, 9. Gegossen von Heinrich Kurz in Stuttgart 1852.“

Die kleine Glocke: „Herr Pfarrer Mag. Wolf, Schultheiß Buz, Bürgermeister Weiß, Heiligenpfleger Mayer. Gegossen von Heinrich Kurz 1817.“ An der Seite Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes, auf der anderen Seite das Wappen des Glockengießers.

Im Jahr 1896 ist die große Glocke zersprungen. Zur Aufbringung der Kosten des Umgusses wurde eine Sammlung im Ort durchgeführt, wobei nach den Listen von 108 Personen 927 M. 50 Pf. eingegangen sind.

Um ein harmonisches Geläut herzustellen, mußte nun auch die kleine Glocke umgegossen werden. Der Umguß wurde dem Glockengießer Grüninger in Villingen übertragen um zusammen 771 M. Die große Glocke sollte etwa 1650 Pfund, die kleine 350 Pfund schwer werden. Die nach dem Vertrag auf den Glocken anzubringenden Inschriften sind auf der kleinen Glocke a) im Kranz: Gegossen von B. Grüninger Söhne in Villingen b) Auf dem Avers: Dem Andenken Philipp Melanchthons geweiht 1894. Und ein Zweig von Eiche und Lorbeer. c) Auf dem Revers: Wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet. Eph. 5. 2. Dabei in der Mitte ein Kreuz, darauf eine Sone mit dem Namenszeichen Christi.

Auf der großen Glocke: a) im Kranz: Aus einem Werk Peters zur Glocke in Speyer umgegossen von B. Grüninger Söhne Villingen. b) Auf dem Avers: Unserer Frauen ward ich vordem geweiht, nun haben mich fröhliche Geber erneut, daß ich als Martinsglocke soll schallen, von Luthers Geist geb Gott euch allen. 1493 bis 1897. c) Auf dem Revers: Der Gerechte wird seines Glaubens leben. Römer 1. 17. Dabei Luthers Wappen: ein Kreuz in einem Herz, das sich in der Mitte einer Rose befindet, die von einem Ring umgeben ist. Nach Abzug der Kosten für Reparaturen am Glockenstuhl usw. waren von der Glockensammlung noch 174 M. 28 Pfg. übrig. Diese Summe wurde zur Verschönerung der Kirche bestimmt.

Infolge des Krieges 1914/18 mußte 1917 die beiden oben genannten Glocken abgeliefert werden. Die Entschädigung betrug 3832 Mark. Dies hat in de Gemeinde große Unzufriedenheit erregt, so daß längere Zeit niemand zu bewegen war, die kleine Glocke vom Turm herabzulassen. Es war ganz unverständlich; es war doch nur ein kleines Opfer von der Gemeinde gegenüber einer Anzahl Familien, welche in diesem Krieg einen oder zwei Söhne, Frauen ihre Männer, Kinder Ihren Vater verloren hatten. Als Ersatz für die Glocken wurden im Jahr 1921 von der Firma Gebrüder Bachert in Kochendorf zum Preis von 46.000 Mark gegossen die große Glocke mit dem gleichen Gewicht, die kleine 70 Pfund schwerer.

Die Inschriften sind: 1. auf der großen Glocke im Kranz: Gegossen im Jahr 1921 für die Kirchengemeinde Deufringen mit Hilfe der bürgerlichen Gemeinde, von Gebrüder Bachert in Kochendorf. Auf dem Avers: Dem Andenken Martin Luthers geweiht. Auf dem Revers: der Gerechte wird seines Glaubens leben, Römer 1, 17. 2. Auf der kleinen Glocke im Kranz: wie bei der großen Glocke. Auf dem Avers: Dem Andenken Philipp Melanchthons geweiht. Auf dem Revers: Wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt. Eph. 5, 2.

Die neuen Deufringer Glocken von 1921

Die neuen Deufringer Glocken von 1921

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Deufringen               .Dachreiter des Rathauses  Sie wurde lediglich geläutet, wenn die Leute des Ortes sich vor dem Rathaus versammeln sollten.  Eine Inschrift ist keine vorhanden.

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Deufringen        .Friedhof von Deufringen                      und Dachtel Der Deufringer/Dachteler Friedhof wurde 1975 eingeweiht. Eine Inschrift ist keine vorhanden.

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Deufringen .St.Fidelis Kirche, kath. Ton: h ‚  Gewicht: 300 kg Durchmesser: 0,830 m 1987 gegossen von der Fa. Bachert in Heilbronn Christ König   Hoffnung der Menschen – wir loben dich
Ton: d “  Gewicht: 180 kg Durchmesser: 0,690 m 1987 gegossen von der Fa. Bachert in Heilbronn Ave Maria Mutter der Glaubenden – bitte für uns
Ton: e “  Gewicht: 130 kg Durchmesser: 0,610 m 1987 gegossen von der Fa. Bachert in Heilbronn St. Fidelis – Damit sie auch morgen glauben
„Gestiftet von der Teilgemeinde Gechingen
Die Glocken von St. Fidelis

Die Glocken von St. Fidelis

 

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Dachtel     .Dorfkirche, ev. Ton: d “  Gewicht: 180 kg Durchmesser: Gebrüder Bachert Taufglocke                                                                               . Wer glaubt und getauft wird, dem wird das Heil geschenkt
Ton: c “  Gewicht: 230 kg Durchmesser:  Gebrüder Bachert Kreuzglocke                                                                                 . Ehre sei Gott in der Höhe
Ton: a ‚  Gewicht: 440 kg Durchmesser:  Gebrüder Bachert Betglocke                                                                                  . Ehre sei Gott in der Höhe

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Aidlingen       .St. Nikolaus Kirche, ev. Ton: g ‚   Gewicht: 780 kg Durchmesser: 1,08 m 1497 gegossen von Bernhard Lachenmann in Heilbronn + osanna heis ich in vnser fraven er levt ich bernart lachaman gos mich 1497
Ton: es ‚  Gewicht: Durchmesser: 1.34 m 1552 gegossen von Friedrich Keßler in Stuttgart IOSANNA HAIS ICH VS DEM FURER FLOS ICH FRIEDRICH KESLER VON STUOTGARTEN GOS MICH ANA IVSZ (=1552)
Ton: b ‚   Gewicht: Durchmesser: 0.91 m 1952 gegossen von Heinrich Kurtz in Stuttgart Bringe uns Herr wieder zu dir, daß wir wieder heimkommen Klgl. 5, 12 . Gestiftet von den Heimkehrern nach dem Zusammenbruch 1945
                                                                           . Ton: c ‚  Gewicht:    Durchmesser: 0,81 m                             . 1952 gegossen von Heinrich Kurtz in Stuttgart                                       . Gloria sei dir gesungen                                                                                                                                                                .                                                                            .

Die Tonlagen der Glocken sind so gewählt, daß sich dadurch das klangliche Motiv des Liedes “ Wachet auf ruft uns die Stimme“ ergibt.

Die älteste Glocke von 1497 wurde wegen ihrer künstlerischen und historischen Bedeutung in beiden Weltkriegen verschont. Dagegen mußte die Keßler-Glocke im März 1942 trotz aller Eingaben dem Reich als Kriegsmaterial abgeliefert werden. Hinzu kam noch, daß beim Ausbau der Glocke wegen ihres großen Umfanges die Fensterschenkel durchlagen werden mußte und beim Hinablassen über das Kirchendach riss das Drahtseil. Die schwere Glocke sauste hinab, durchschlug das Kirchendach und kam auf den Kirchenflur zum Liegen. Heute noch erscheint es wie ein Wunder, daß nach dem Zusammenbruch die Glocke in einem westfälischen Glockensammellager durch einen Aidlinger entdeckt und erkannt wurde. Auf Weihnachten 1947 konnte die Glocke mit Hilfe der Besatzungsmächte und der Kirchenleitung wieder nach Aidlingen zurückgegeben werden.

In der Aidlinger Chronik lesen wir: „…Als die Gemeinde hingegen 1917, während des 1. Weltkrieges, ihre kleinste, dritte Glocke aus dem Jahr 1767 abliefern mußte, fanden sich nirgendwo dies bedauernde Nachrufe – im Gegenteil! Pfarrer Kneile bezeichnete im Glockenerfassungsbericht an das Evang. Konsistorium den mit Rokokoverzierungen versehenen Guß als das sog. „Schandglöckle“ und begründete dies damit, daß der Ton hoch und schrill zwischen e und f liege. Wie Glockengießer Heinrich Kurtz schon in einem Gutachten aus dem Jahr 1903 festgestellt hat, soll die Glocke „eine eindeutige Dissonanz in das Geläut“ gebracht haben.“ Inschrift dieser Glocke: Christian Ludwig Neubert gos mich in Ludwigsburg anno 1767. Durchmesser 60 cm Gewicht 133 kg. Sie wurde als Ersatz einer 1767 zersprungenen Glocke auf den Turm gehängt.

1921 wurde dann schließlich bei der Stuttgarter Glockengießerei Heinrich Kurtz die schon Jahre lang ersehnte neue Glocke in Auftrag  gegeben. Diese Glocke bekam den Ton b. Durchmesser 82 cm Gewicht 310 kg. Inschrift: Ich künde der Helden Tod, des Reiches Not, den alten Gott. Wie die Keßler Glocke wurde auch sie 1942 vom Turm heruntergeholt und eingeschmolzen.

Im Aufsatz von Dr. Adolf Schahl 1971 lesen wir: „…. Das schrill klingende ‚Schulglöckle‘ war aus dem Umguß einer zersprungenen Glocke 1767 durch den Ludwigsburger Glockengießer Christian Ludwig Neubert hervorgegangen. Es wurde 1917 abgenommen und abgeliefert. 1923 lieferte Kurtz dafür eine B‘-Glocke, die im Krieg von 1939/45 blieb.

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Aidlingen                                                     .St.Mariä Himmelfahrts Kirche, kath.

 

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Aidlingen                                             .Dachreiter des alten Rathauses Das Rathaus wurde …. gebaut. Eine Inschrift ist nicht vorhanden.

Auf dem Sonnenberg Mutterhaus ist zwar ein Dachreiter gebaut, aber eine Glocke hängt nicht darin. Ursprünglich war das Aufhängen eines Glöckleins geplant, jedoch hat die Statik des Baus dies verhindert.

Standort Technische Daten Entstehungsjahr und gegossen von Bemerkungen/Inschrift
Aidlingen                                                     .Dachreiter des Sonnenberg Mutterhauses  —————  —————————-  —————————-

 

Aidlinger Mutterhaus am Sonnenberg

Aidlinger Mutterhaus am Sonnenberg

 

Bilder und Text von Andreas Wolf