Der Dachteler Kirchenbrand 1766

Brand der Dachteler Kirche 1766

Brand der Dachteler Kirche 1766 (Fotomontage)

Am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember 1766 zerstörte ein Feuer die Dachteler Kirche.
Unglückliche Verkettungen lösten das Feuer aus und brachte die Dachteler Bürger um ihren Mittelpunkt. Was war geschehen? Die Pfarrmagd vergaß die Glutpfanne unter der Kanzel, die den Pfarrer bei den Predigen wärmen sollte. Sie wußte allerdings nicht das die mittägliche Kinderlehre vom Pfarrer kurzerhand abgesagt wurde. Und so konnte das Glühen in der Pfanne langsam auf die Kanzel übergreifen. Das Glühen wurde zum Feuer und das Feuer zu einem großen Brand. Zu allem Unglück hatte der Schullehrer verbotenerweise größere Mengen
Stroh auf der Kirchenbühne gelagert.

Es kam also wie es kommen mußte. Mittags um zwei Uhr schlugen bereits die ersten Flammen aus den Kirchenfenstern und bis zur Nacht war das ganze Gebäude zerstört. Die Hitze war so groß, daß Kirchenuhr, Orgel,
Glocken und sogar das Mauerwerk zerstört wurden.

Die Kirche war erst 165 Jahre alt und wurde zwischen 1599-1601 durch den bekannten Herrenberger Baumeister Heinrich Schickhardt erbaut.

Für die 260 Dorfbewohner bedeutete der Verlust ihrer Kirche einen tiefen Einschnitt in das gesellschaftliche Leben. Nicht nur der dörfliche Mittelpunkt und eine zentrale Zeitangabe fehlte, sondern auch der größte Versammlungsraum im Ort.

Um einen Neubau zu finanzieren, starteten die Dachteler eine riesige Sammelaktion in der württembergischen Kirche. Alle Gemeinden wurden mit herzoglicher Erlaubnis um eine Spende angegangen. Nicht nur Geld war erwünscht, auch Holzspenden. Die Gaben der Württemberger reichten von zwei Gulden aus Stetten im Remstal bis zu äußerst großzügigen 113 Gulden aus Herrenberg. Als eher knausrig erwiesen sich die Stuttgarter: gerade mal 15 Gulden war ihnen das Dachteler Gotteshaus wert. Auch der Pfarrer mußte seinen Teil beisteuern. Überliefert ist der Bußgeldbescheid in Höhe von 100 Gulden. Ein ganz erheblicher Batzen für einen kleinen Dorfgeistlichen, wenn man bedenkt, daß der gesamte Kirchenbau 4000 Gulden gekostet hat.

Bereits am 9. Oktober 1768 wurde die Kirche wieder eingeweiht. Eigentlich hatte der Ludwigsburger Architekt Wilhelm Friedrich Goez eine Barockkirche bauen wollen. Doch dieses scheiterte an den zu hohen Kosten. So wurde das ursprüngliche Gotteshaus, das 1599 vom Baumeister Schickhardt geplant wurde, fast
originalgetreu wieder errichtet.

Da der Patrozinius des ersten Kirchenbaus nicht mehr belegt werden kann und die beiden nachfolgenden Bauten in evangelischer Zeit waren, wurden diese nicht mehr einem Heiligen geweiht. So ist die Dachteler Dorfkirche eine der wenigen im Landkreis Böblingen, die keinen eigenen Kirchenpatron hat. Sollte doch einmal ein namensgebender Heiliger gesucht werden, so schlagen wir den heiligen St. Florian vor, damit die Dachteler Kirche nie mehr ein solches Feuer-Schicksal erleiden muß.

Der heilige St. Florian

Der heilige St. Florian

Text und Bilder: Andreas Wolf