Das Kaufhaus Roller

Ein Gemischtwarenladen in dem es allerlei Dinge des täglichen Lebens gab, war über viele Jahrzehnte ein fester Bestandteil in einem dörflichen Leben. Hier konnte man sich eindecken mit Kurzwaren, Eisenwaren, Petroleum, Schuhcreme und Essig, aber natürlich auch Lebensmittel wie Salz, Zucker, Hefe und eingelegten Gurken.

Am 1. September 1904 wurde das Gemischtwarengeschäft in Aidlinger durch Adolf Roller gegründet. Roller war gelernter Kaufmann und der Sohn eines in Balingen beheimateten Mühlenbesitzers. 1898 heiratete er die Tochter eines Böblinger Kaufmanns (Johannes Widmann) und fand dann mit dem Kauf des Hauses mit Laden an der Aidlinger Hauptstraße in die Selbständigkeit. Das Haus gehörte vorher Kaufmann Rieger, der 1865 einen Kaufladen einbaute, später aber fortgezogen ist. Vorher war das Haus die Wirtschaft „zum Ochsen“. Nach dem Tod von Adolf 1920 führte seine Witwe, Marie Roller, die Geschäfte weiter bis 1926 der einzige Sohn, Friedrich Roller, das Ladengeschäft übernahm.

1938 baute Friedrich das Gebäude um und es entstanden eine neue Schaufenster- und Eingangsfront. Während des zweiten Weltkrieges führte die Ehefrau Mathilde Roller das Geschäft weiter. Trotz der Schwierigkeiten der Warenbeschaffung und der Lebensmittelmarken, konnte diese schwere Zeit überbrückt werden. Friedrich Roller kam noch in 1945 aus der Gefangenschaft und begann sofort wieder mit dem Beschaffen von Waren für sein Geschäft. Im Jahr 1950 trat die Familie der EDEKA-Genossenschaft bei. 1954 konnte das 50jährige Geschäftsjubiläum gefeiert werden. Ein Anbau eines Textil-Verkaufsraumes erfolgte dann im Jahr 1955.

seitlich ist der Anbau für Textilien zu erkennen.

seitlich ist der Anbau für Textilien zu erkennen.

Um der gestiegenen Bedürfnissen der örtlichen Bevölkerung gerecht zu werden, wurde 1967 das alte Gebäude abgebrochen und ein Geschäftsneubau mit verdoppelter Verkaufsfläche errichtet. Gleichzeitig wurde auf Selbstbedienung im Lebensmittelbereich umgestellt. Der Wandel vom „Tante-Emma-Laden“ zum Kaufhaus vollzog sich. 1970 übergab Friedrich Roller die Firma an seine beiden Töchter Renate Häcker und Brigitte Stürner sowie dem Schwiegersohn Helmut Stürner. Die Firma wurde als Kommanditgesellschaft weitergeführt.

Der Neubau von 1967

Der Neubau von 1967

Im Jahr 1979 des 75jährigen Geschäftsjubiläums führte das Kaufhaus ein breitgefächertes Sortiment. Von Lebensmitteln, Textilien, Schreib- und Papierwaren, Glas, Porzellan, Geschenkartikeln, Haushalt- und Kleineisenwaren konnte man im Kaufhaus Roller finden. Sieben Mitarbeiter sowie die drei Inhaber sorgten für prompte und zuverlässige Bedienung der Kundschaft. 1980 wurde mit den Haushaltswaren in den ehemaligen Praxis Räumen des Arztes Kucheida die „Geschenkeecke“ eingerichtet.

In den kommenden zwei Jahrzehnten machten sich jedoch die Discounter immer breiter und das Kaufverhalten der Kundschaft veränderte sich. Der Trend zu großen Einkaufszentren machte es den örtlichen kleineren Kaufhäusern zunehmend schwerer, sich in der Zukunft zu behaupten. Um dem entgegen zu wirken, eröffnete das Kaufhaus Roller in Deckenpfronn eine Filiale in der Herrenberger Straße. Doch das Aus war nicht mehr aufzuhalten. Als erstes wurde die „Geschenkeecke“ an neue Betreiber weitergegeben (heute: „Die’s und Das“). Noch vor dem 100 jährigen Jubiläum, im Jahr 2003, gab man im Stammhaus an der Hauptstraße das Ladengeschäft auf. 2005 erfolgte dann auch die Schließung der Filiale in Deckenpfronn.

Mit der Schließung des Kaufhauses Roller ging in Aidlingen eine traditionsreiche Einrichtung im dörflichen Alltag zu Ende. Über 100 Jahre und drei Generationen lang, sorgte die Familie Roller und deren Töchter für die alltägliche Versorgung der Aidlinger Bürger und für ein paar Arbeitsplätzen im Ort.

 

Bilder: Renate Häcker

Text: Andreas Wolf