100 Jahre Karl Wiedmaier

Karl Wiedmaier

Karl Wiedmaier

Karl Wiedmaier wurde am 28.10.1916 in Aidlingen als Apothekersohn geboren. Er besuchte das Gymnasium in Calw, machte eine Verwaltungsausbildung und war zuletzt als Regierungsdirektor Leiter des Baurechtsamts der Stadt Böblingen. Er war unverheiratet. Seine Fürsorge galt seiner Mutter und seinen unverheirateten Schwestern, die mit ihm in späteren Jahren auch im neu gebauten Haus im Brettergässle lebten. Karl Wiedmaier war Soldat und kam als letzter Heimkehrer aus Aidlingen am 7.1.1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Diese Zeit hat ihn zutiefst geprägt. Er hat noch in seinen späteren Vorträgen über das alte Aidlingen die Zuhörer unvergesslich spüren lassen, was ihn bewegte – die schmerzliche Sehnsucht nach der Heimat und das unerwartete Glück, sie schließlich wiederzusehen. Nur mit Hilfe eines russischen Offiziers, der ihm manche zusätzliche Mahlzeit verschaffte, überlebte er. Mehrfach hat er sich nach 1983 mit ihm in Russland getroffen. Er blieb gesundheitlich angeschlagen. Seit 1980 war er Ortsbeauftragter des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Karl Wiedmaier wurde von 1965 – 1989 in den Gemeinderat gewählt und war von 1980 – 1989 1. Stellvertreter des Bürgermeisters. Er hinterließ Spuren. Zum einen war es sein von Heimatliebe getragenes Verantwortungsgefühl für den Ort. Er sei noch im Ruhestand regelmäßig bei ihr im Rathaus erschienen, erzählt Frau Hedwig, damalige Sekretärin von Bürgermeister Häge, man habe ein bisschen geplaudert und dann sei er im Amtszimmer des Bürgermeisters verschwunden. Aufgefallen sei er durch seine immer korrekte Kleidung, wie sie einem höheren Beamten zustand, erinnert sich eine Aidlingerin. Hervorstechend sei vor allem seine auch innere Gradlinigkeit gewesen, hebt Marieluise Stürner hervor, deren Vater mit Karl Wiedmaier befreundet war. Er habe für jeden gekämpft, der mit einer Bitte an ihn herangetreten sei. Er sei ein religiöser Mensch und Aidlingen ihm als seine Heimat heilig gewesen. Das alte Aidlingen lag Karl Wiedmaier besonders am Herzen. Sein Vater hatte wohl als erster Aidlinger einen Fotoapparat und der Sohn die gleiche Lust am Fotografieren. Ergänzt mit den Fotos anderer Aidlinger konnte 1979 der wertvolle Bildband „Aidlingen in alten Ansichten“ erscheinen. Der Gemeinde hat er seine Bilder in einer Diashow hinterlassen. Karl Wiedmaier kannte jeden, war im Dorf insbesondere bei den Besitzern alter Höfe unterwegs und forderte sie auf, altes Gerät auf keinen Fall wegzuwerfen, sondern für das geplante Heimatmuseum bereitzustellen. Durch diesen Einsatz und den einer Reihe von Helfern, kam es zu der einzigartigen Sammlung landwirtschaftlicher Gerätschaften und der Möglichkeit, sie zusammen mit der Ostdeutschen Heimatstube im Baudenkmal Hopfenhaus für immer zu erhalten. Das Hopfenhaus gehörte ehemals zur Brettermühle und wurde von der Gemeinde käuflich erworben. Erhalten blieb auch ein Heimtgedicht von Karl Wiedmaier:

Mein Heimattal 1.Strophe (von insgesamt 4 Strophen)

Aidtal, Du, mein schönes Heimatland, möchte singen Dir ein neues Lied. Bist Du vielen auch noch unbekannt zwischen Schwarzwald , Gäu und Neckarstrand ewig mich das Heimweh zu Dir zieht!

Karl Wiedmaier wurde 1987 mit der Bürgermedaille der Gemeinde Aidlingen geehrt. Wiedmaier starb am 9.9.2000 und wurde unter großer Beteiligung der Aidlinger Bürger auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. Für seine Verdienste wurde Karl Wiedmaier am 30.10.2016 in einer Gedenkfeier eine Messingtafel enthüllt, die nun ihren Platz am Museum Hopfenhaus Aidlingen hat.

Gedenktafel für Karl Wiedmaier

Gedenktafel für Karl Wiedmaier