Vor 100 Jahre endete der Erste Weltkrieg – Teil III

Mohnblumen zur Erinnerung an die Gefallenen

In den letzten Ausgaben des Blättle haben wir, in mehreren Folgen, den bewegenden Reisebericht von Matthias Groß zu den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs abgedruckt. Er war in Flandern auf den Spuren seines an der Front gefallenen Großvaters und brachte erschütternde Eindrücke zurück, unter anderen auch vom Besuch des Kriegsmuseums in Ypern, das den Namen „In Flanders Fields“ trägt.

Im Nachtrag gehen wir dem Ursprung dieses Namens nach, er ist nämlich der Titel eines auf der Seite der westlichen Alliierten berühmt gewordenen Gedichts. Verfasst wurde es von einem kanadischen Arzt und Hochschullehrer, John McCrae. Er leitete hinter der Front ein Lazarett, als ihm der Tod eines seiner Studenten gemeldet wurde, der ihm besonders nahe stand. Am nächsten Tag schrieb er spontan dieses Gedicht.

In Flanders fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place: and in the sky
The larks still bravely singing fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead: Short days ago,
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved and were loved: and now we lie
In Flanders fields!

Take up our quarrel with the foe
To you, from failing hands, we throw
The torch: be yours to hold it high
If ye break faith with us who die,
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields

John McCrae

Auf Flanderns Feld

Auf Flanderns Feld Mohnblumen blühn –
wo Kreuze, Reih an Reih, sich ziehn,
dort liegen wir; am Himmel hoch
die Lerche fliegt, singt tapfer, doch
im Lärm der Schlacht hört keiner sie.

Gestern noch da, heute dahin,
sahn Tage kommen und verglühn,
wir lebten, liebten – – nun gefällt
auf Flanderns Feld.

Ihr müsst für uns ins Feld jetzt ziehn,
wir werfen euch mit letztem Mühn
die Fackel zu: Haltet sie hoch.
Und brecht die Treu ihr uns dennoch,
dann ruhn wir nicht, mag Mohn auch blühn
auf Flanderns Feld.

Bertram Kottmann,
aus dem Englischen

Die auf den zerwühlten Schlachtfeldern in großer Zahl blühenden Mohnblumen wurden in der Folge zum Gedenksymbol an die vielen jungen Männer, die dort für den Schutz ihrer Vaterländer ihr Leben opferten. So konnte man bei den Gedenkfeiern zum hundertsten Jahrestag des Kriegsendes an den Revers der Männer und den Blusen der Frauen die rote Mohnblume erkennen, so auch am Anzug von Bundespräsident Steinmeier, der zu den Feierlichkeiten in London eingeladen war. Selbst auf dem Münchner Königsplatz brachte man im Herbst 2 018 in einer eindrucksvollen Installation von regenschirmgroßen Blüten ein Mohnfeld zum Leuchten.

Neben dieser Installation zeigen wir zwei Fotos der großen ehemaligen Tuchhalle von Ypern, die heute das Kriegsmuseum beherbergt: einmal als Ruine nach der Beschießung durch deutsche Kanonen und einmal im heutigen Zustand nach ihrem minutiösen Wiederaufbau.

S. Krülle